Hypnose: Geschichte der Hypnose

Hypnose wurde schon vor Jahrtausenden erfolgreich von Heilern, Schamanen und Priestern verwendet.
So wird z.B. Hypnose bereits im ägyptischen Papyrus Eber (circa 1500 vor Chr.) beschrieben.

In der neueren Zeit wurde Hypnose um 1770 durch den Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) berühmt. Wegen Mesmers Popularität hiess sie damals nicht Hypnose, sondern wurde „Mesmerisieren“ genannt. Im zeitgenössischen Englisch existiert dieser Ausdruck (to mesmerize = hypnotisieren) immer noch.
Mesmer arbeitete erst mit Magneten, die er Patienten auflegte. Später strich er nur noch mit seinen Hände über den Körper der Patienten. Seine erstaunlichen Heilerfolge schrieb er einer Kraft zu, die er Magnetismus animalis oder universelles Fluidum nannte.

Gleichzeitig machte der Pfarrer Johann Joseph Gaßner (1727-1779) durch Heilungen mit spektakulären Teufelsaustreibungen von sich reden.

Gemeinsam hatten beide das Auftreten und die Ausstrahlung von einem erfolgreichen Showhypnotiseur.
Deshalb gab es auch kritische Stimmen, welche die Heilerfolge Gassners und Mesmers auf Einbildungskraft zurückführten.

José Custódio de Faria (1755-1819) war unter dem Namen Abbe Faria bekannt. Er war ein in Indien geborener, portugiesischer Priester und Hypnotiseur, der ab 1788 in Paris lebte und dort durch seine hypnotischen Experimente und Heilungen für Aufsehen sorgte. Er gilt auch als einer der Begründer der Dynamischen Psychiatrie.
Seine Versuchspersonen hypnotisierte er, indem er sie scharf ansah, sie seine Handfläche fixieren ließ und ihnen plötzlich befahl "Schlafe!"
Er lehrte schon damals, dass die Hypnose auf den Hypnotisierten zurück zuführen ist und nicht umgekehrt.
Außerdem gilt er als einer der Ersten, die mit posthynotischen Suggestionen arbeiteten.

Der Augenarzt James Braid (1795-1860) führte in Großbritannien zahlreiche Augenoperationen durch bei denen er Hypnose zur Betäubung / Schmerzstillung der Patienten nutzte. Dazu ließ er sie glänzende Gegenstände fixieren und brachte sie dadurch in eine Trance.
Er prägte dafür den Begriff
Neurypnology / Neurohypnotismus. Später wurde daraus in Anlehnung an das altgriechische Wort “hypnos” (wörtlich übersetzt “Schlaf”) Hypnose.

Der französische Arzt Ambroise-Auguste Liébeault (1823-1904) wurde durch Braid inspiriert Hypnose auch bei organischen Störungen zu verwenden.

Hippolyte Bernheim (1840-1919) war ein französischer Psychiater, Neurologe und Professor am Medizinischen Institut von Nancy. Er wurde auf Liébeault und seine Hypnosearbeit aufmerksam, als dieser einen Patienten Bernheims mit Hypnose erfolgreich gegen Ischiasschmerzen behandelte. Zunächst wollte Bernheim Liébeault als Scharlatan überführen. Dann erkannte er aber den Wert der Hypnose und begann mit Liébeault zusammenzuarbeiten. So entstand die Hypnoseschule von Nancy. Die medizinische Fakultät von Nancy nahm das Fach Hypnose auf und Bernheim wurde bald einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet.

Die Hypnose-Schule von Nancy lehrte erstmals, dass Hypnose ein natürliches Phänomen ist, das durch Suggestion hervor gerufen wird.
Andere und frühere Schulen führten die hypnotische Trance auf Magnetismus oder Hysterie zurück.
Dies bringt uns gleich zur Pariser Schule von Jean-Martin Charcot (1825-1893). Dieser war ein bekannter französischer Pathologe und Begründer der modernen Neurologie. Daher suchte er auch eine neurophysiologische Erklärung für die Hypnose. Gleichzeitig verwendete er Hypnose auch für psychische Heilung. Bei seiner Arbeit im Nervenkrankenhaus Hopital de la Salpetriere hatte er es allerdings überwiegend mit Hysterikern zu tun. Deshalb dachte er auch, dass die Hypnose krankheitsbedingte Ursachen hätte. Kurz vor seinem Tod erkannte er aber, dass er Unrecht hatte und die Aussagen der Hypnose-Schule von Nancy doch stimmten.

Sigmund Freud (1856-1939) war ein österreichischer Neurologe, Tiefenpsychologe und Begründer der Psychoanalyse.
1885 lernte er durch Charcot Hypnose kennen und begann anschließend auch selbst mit Hypnose zu experimentieren.
1889 wandte er sich nach seinem Besuch bei Bernheim von  Charcot und seiner materialistischen bzw. krankhaften Interpretation der Hypnose ab. Er verteidigte die Hypnose gegen alle Verleumdungen und übersetzte Bernheims Buch über die Suggestive Therapeutik. Später entwickelte er seine Technik der freien Assoziation. Gegen Ende seines Lebens sagt er, dass seine Psychoanalyse ohne die Hypnose undenkbar gewesen wäre.

 

Die Hypnose wurde im 20. Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zunächst durch Oskar Vogt (1870-1959) weiterentwickelt. Er war ein Hirnforscher und Gründer des Neurobiologischen Laboratoriums der Universität Berlin, der Hypnose auch für therapeutische Anwendungen nutzte.

Dann entwickelte sein Schüler Johannes Heinrich Schultz (1884-1970) aus der Hypnoseforschung heraus das autogene Training (eine formelhafte Methode zur Selbsthypnose). Schultz war Psychiater, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie und 1959 Gründer der Deutschen Gesellschaft für Hypnose.
Klaus Thomas (1915-1992) Pfarrer, Arzt und Psychotherapeut war der bedeutendste Schüler von Schultz und Hauptverbreiter des Autogenen Trainings.

 

Die Hypnose-Schule von Nancy wurde von ihren bekannten Schüler Émile Coué (1857-1926) weiterentwickelt. Er war Apotheker und der Begründer der modernen, bewussten Autosuggestion. Die bekannteste Autosuggestion lautet: "Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser". Er regte an, sie z. B. mehrmals vor dem Schlafengehen laut vor sich hin zu sprechen.
Das Ziel von Coué war es
möglichst vielen Mensch beizubringen, wie sie ihre Heilkräfte stärken und sich selber helfen können.
Er zeigte auch die Vorherrschaft der Vorstellungskraft über den Willen.

 

Im amerikanischen Sprachgebiet wurde die Hypnose wesentlich durch zwei Männer weiterentwickelt:

Dave Elman (1900-1967) wurde weltweit durch seine schnelle und effiziente hypnotische Tranceinduktion bekannt. Ab 1949 unterrichtete er tausende Ärzte und Zahnärzte in medizinischer Hypnose

Milton H. Erickson  (1901 - 1980) war Arzt und Psychiater. Mit 18 Jahren erkrankte Erickson an Kinderlähmung. Mehrere Tage lag er im Koma und war anschließend vollkommen bewegungsunfähig. Nur durch seine Vorstellungskraft gelang es ihm, seine Muskeln wieder zu aktivieren und sogar wieder zu gehen. Er begründete die moderne Form der nicht-direktiven Hypnosetherapie, die auch in der modernen Psychotherapie anerkannt und verwendet wird. Im Gegensatz zu den standardisierten und autoritären Techniken betonte Erickson die Individualität jedes Menschen und nutzte jede Reaktion des Patienten zur Tranceeinleitung und für Veränderungsprozesse. 1957 gründete er die Amerikanische Gesellschaft für Klinische Hypnose.
Aus seiner Arbeit heraus entwickelten sich weitere psychologische Methoden wie z. B. das NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren).

Heute wird Hypnose in vielen Städten angeboten. So zum Beispiel auch in Nürnberg.

 

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